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Mein Land, du lächelst mich an
Auf Cape Breton geht man für den Tourismus auf die Suche nach dem verlorenen Akadien

Wenige Blumen wachsen an der Straße der Lilien. Der Fleur-de-Lis-Trail an Cape Bretons Ostküste ist entgegen der Lieblichkeit seines Namens ein Weg der Schroffheit. Mag sein, dass im Schatten der Bäume, im Verborgenen der Sümpfe, Lilien wachsen. Dem Auge des Betrachters aber zeigen sich nur Heide, Schilf und schiefe Föhren. Meerumbraust und nicht selten von eisigen Stürmen umweht, führt der Fleur-de-Lis durch Dörfer, deren Häuser man erst viele Kilometer hinter dem Ortsschild findet, schlängelt sich durch Wälder, die das Wasser regelmäßig überspült, und das Salz hat die Bäume erstarren lassen wie Lots Weib. Er schmiegt sich über viele Kilometer so nahe an die Küste, dass die Wellen an stürmischen Tagen über den Asphalt rollen, windet sich um Leuchttürme und Inselchen, über Landzungen und wieder zurück, legt sich dort, wo der Abgrund nahe ist, in nadelfeine Kurven und streckt sich dann wieder schnurgerade neben einsamen Stränden aus.
Nur wenige Touristen, die nach Cape Breton, dem nördlichen Teil der kanadischen Atlantikprovinz Nova Scotia kommen, zieht es in die stillen Fischerdörfer an der kühlen Ostküste. Wie im Halbschlaf liegen Gabarus und Fourchu, Point Michaud und die anderen Orte mit den französischen Namen, selten klingt eine Stimme durch die Gärten, lediglich das Meer gibt niemals Ruhe. An sonnigen Tagen ist die Schönheit dieser Küste überwältigend, sind die bunten, leicht verwitterten Häuser und Fischerhütten an den Stegen, die weißen Boote und die Leuchttürme mit den roten Dächern der Inbegriff von Idylle. An anderen Tagen aber, und davon gibt es viele, liegt der Nebel schwer über Land und Wasser, hält die Menschen gefangen, wie aus einem verdrehten Rilke-Gedicht: Mir ist, als ob es tausend Nebel gäbe, und hinter tausend Nebeln keine Welt.

Gipfel im Gin Tonic

Eine Reise mit der Royal Canadian Pacific Train durch Kanadas Rockies und Historie

Über kanadische Bergdörfer und Kleinststädte in den Rockies mag man denken, was man will. Die Bahnhöfe dort sind jedenfalls so tot wie die Elchköpfe, die manch ein Bewohner über seiner Haustür hängen hat. Ein Zug hält hier selten, meist brettern nur kilometerlang aneinandergereihte Güterwaggons hindurch oder bleiben über Nacht stehen, im Hintergrund leuchten die Berge, als habe ein cleverer Requisiteur sie dorthin platziert. Nur wenn Roy kommt, der mit vollem Namen Royal Canadian Pacific vintage train heißt, sehen jene Bahnhöfe wieder so aus wie in den alten Kanada-Filmen über die Tage, als die Wildnis voller Gefahren und eine Zugreise viel mehr war, als nur eine Fahrt von einem zum anderen Ort.
##Samstagmorgen in Banff, zum Beispiel. Gerade ist Roy eingefahren, die Morgensonne zaubert Licht auf seine bordeauxrote Haut und funkelt in den Fenstern. Staatsfahnen wehen wie beim Gipfeltreffen, Sternenbanner flattern an Ahornblatt, die französische Flagge umschmeichelt die deutsche. Zwei fesche Mounties stehen stramm. Livrierte Jungs tragen Gepäck eilfertig hin und her, zwei bullige Lokomotiven pusten Dampf und tiefe Seufzer in den kalten Kanadahimmel. Überall Gesprächsfetzen über Abendgarderobe, Golfschläger und „meine Güte, hoffentlich gibt es in den Abteilen einen Fön“. Neugierige kommen staunend näher. Ob hier ein Film gedreht werde? fragt einer. Nö, antworten wir lässig, das sei nur der Start einer Zug-Reise. Ach, haucht er da neidvoll, so eine Reise würde er auch gerne machen.

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1. Meeresrauschen für Melancholiker
Der Fleur-de-Lis-Trail auf Cape Breton ist windumbraust und einsam


2. Keine Parkgebühren
Wie die Isle Madame dem Nebel des Vergessens entstiegen

 

 

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