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REISEN
Schwarzes Herz, weiße
Seele
Kwazulu Natal, das Land der Zulus ist so hinreißend schön
wie schmerzhaft zerrissen. Wer dort reist, fällt mitten hinein
in die Brüche und will am Ende doch nur eins: wiederkommen
Morgennebel liegt leicht wie ein Schleier über den Tälern
des Zululands. Er schlängelt sich über die Hügel und
bettet sich in die Täler. Er tränkt das dürre Gras und
die trockene Erde. Er kühlt die Arme der Frauen, die Teig kneten,
Hirse stampfen, Fische über dem Feuer aus getrockneten Dunghaufen
braten. Er legt sich den Frauen, den Alten, den Kindern in die Haare,
er streichelt ihre Haut, wenn sie sich auf den Weg zum Markt, zum Fluss,
zum Brunnen, zum Fest machen. Er umspielt die aufsteigende Sonne und
verwischt ihre Konturen. Erst, wenn ihre Strahlen die Spitzen der Berge
erreicht haben, weicht er und macht Platz für jenen rauchigen afrikanischen
Dunst, der das Land aussehen lässt, als träume es einen melancholischen
Traum.
Noch vor dem Morgennebel brechen die Bewohner aus den Dörfern der
Drakensberge auf, wenn am dritten Samstag im Monat Markt an einer namenlosen
Kreuzung ist. Dort, wo sich die Wege zu den Gipfeln Cathedral Peak und
Mount-aux-Sources begegnen, wo an anderen Tagen Schlangen in der Sonne
liegen und vorbeiwandernde Ziegen das wenige Gras fressen, wird monatlich
den Alten des Bezirks um die nördlichen Berge ihre Rente ausbezahlt.
Deshalb, nur deshalb wandern Jung und Alt zur Kreuzung ohne Namen, wird
auch, wer kaum noch am Leben ist, herbeigeschafft: gestützt auf
Töchter und Enkel, auf Holzkrücken oder auf einen Eselskarren
gelegt. Wer nicht mehr laufen kann, liegt in Schubkarren und selbstgebastelten
Rollstühlen. Nur die Dorfältesten sitzen auf Pferden: als
Zeichen ihrer Würde und ihres Reichtums.
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